Dr. phil. Berta C. Schreckeneder
Praxis für Beziehungstherapie
Beziehungsfrühling

Beziehungsfrühling

Auch in Beziehungen gibt es immer wieder den Frühling, manchmal sind es auch lange Winter, neben einem schönen Sommer und dem Herbst.  Gerade wenn in der Natur sich der Frühling aus dem Alten schält, erleben sich Menschen in Beziehungen oft freudiger und leichter. Das hat natürlich damit zu tun, dass Sonne und Wärme nach der langen Kälte vielen Menschen gut tut.

Gerade jetzt, wo draußen der Frühling beginnt, gibt es auch die Möglichkeit im Inneren zu schauen: Welche Samen säen Sie täglich? In welchem Garten stehen Sie? Sie wissen das ja schon: In schwierigen Beziehungen, in denen Sie sich unwohl fühlen, werden Sie feststellen, dass Sie oftmals im Garten des anderen stehen. Sie werden da vergeblich Unkraut zupfen bzw. Samen säen. Denn nur im eigenen Garten kann wachsen, was gesät wird. Anders ausgedrückt – Sie können den anderen nicht verändern, nur sich selbst. Ich spreche gerne über den eigenen Garten, wenn es um das Innere geht. Es ist eine schöne Metapher für eigenen Lebensraum, den wir uns nehmen.

„Der, der Blumen in seinem Garten sät, wird diese auch bewundern können.“ (Coromayh)

Der Frühling ist wie eine Einladung, sich über sich selbst und das eigene Verhalten/Handeln in Beziehungen bewusst zu werden. Denn es ist ja so: Dort wo Sie in Liebe mit jemanden stehen, bekommen Sie genau das zurück. Sie ernten, was Sie säen. Und so gilt auch: Dort wo Sie in einem Konflikt mit jemand stehen, haben Sie selbst darin Samen gesät. Es ist nie der Andere alleine. Vielmehr ist es eine Begegnung zweier Felder, die sich etwas ausstreiten möchten. Auch das sind wichtige Prozesse im Wachsen. Es ist doch ganz egal, was Sie machen oder was nicht. Nicht egal ist, ob Sie bereit sind, die Konsequenzen dessen, was Sie tun/nicht tun, zu tragen. Denn die bleiben Ihnen nicht erspart.

Es gibt Samen, die man selbst  im eigenen Garten sät, anderen jedoch nicht gefallen.
Nehmen wir mal an, ich setze eine kleine Buche in meinem Garten an. Mein Partner findet das unmöglich. Er seinerseits überlegt jetzt,

  • ob er rüberkommt und die kleine Buche auszieht,
  • ob er eine noch größere Pflanze in seinem Garten sät,
  • oder, oder, oder …

Das sind jetzt die Spiele, die beginnen, weil eben ein jeder Partner sich in so einer Situation ausdrücken will. Grenzen setzen heißt ja im Vorfeld immer, dass wir uns selbst ausdrücken müssen. Wie sonst kann der andere lernen, Grenzen zu setzen bzw. sich selbst zu zeigen. Würde ich die Buche nicht setzen, weil ich eh schon weiß, dass er das nicht mag, würde ich mir vielleicht selbst etwas nehmen. Im Streit mit meinem Partner kann ich ja sagen: „Wie wäre es, wenn ich einen kleineren Baum setze?“ Ich habe in mir nachgefühlt und festgestellt, dass mir auch ein kleinerer Baum gefällt.“ Es könnte auch sein, dass der Partner sagt: „Wie wäre es, wenn ich auch eine Buche säe? Dann könnten wir da gemeinsam unter unseren Buchen liegen. Wir können auch einen gemeinsamen kleinen Garten anlegen, indem vier Buchen stehen.“ Gemeinsame Gartenflächen sind natürlich auch eine gute Idee, haben allerdings etwas zeitlich Eingegrenztes. Nur der eigene Garten ist Teil des ganzen Lebens – von der Geburt bis zum Tod.

Wie auch immer Konflikte und Schwierigkeiten gelöst werden, es ist wichtig sich darüber bewusst zu sein: Jeder Mensch hat ein Bedürfnis sich selbst auszudrücken und gleichzeitig sehnt sich jeder nach Beziehung mit anderen. Da gibt es nun mal Reibungsflächen, selbst dann, wenn jemand glaubt, er hat seine/n Seelenpartner/in gefunden. Auch darin will sich ein Mensch höchstpersönlich ausdrücken können.

BEZIEHUNGSTIPP:

Denken Sie an eine Beziehung, die Ihnen am Herzen liegt, aber nicht ganz so rund läuft. Fragen Sie sich: Was wünsche ich mir in dieser Beziehung von mir selbst? Klarheit, Zuversicht, Loslassen…. Was möchte ich  für mich und für diese Beziehung in meinem Garten säen – jetzt im Frühling? Was möchte ich wachsen sehen? Und was werde ich mit der Ernte machen? Schreiben Sie Ihre Antworten in ein schönes Buch und beschreiben Sie im Verlauf der Zeit, wie Ihre Samen wachsen und gedeihen oder anders gefragt: Was verändert sich in meiner Beziehung?

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Bild: Fotolia – Forsythienzweige in der sonne frühlingshintergrund Datei: #187783052 | Urheber: winyu

 

 

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